Aarhus – København 2015 – 380km

Noch mit der Motivation und dem Höhenflug des norwegischen non-stop Radmarathons von Trondheim nach Oslo (542km) meldeten Mario, Stefan und ich uns bereits im vergangen Jahr zu dem dänischen Langstreckenradrennen “Aarhus – København” (380km) an. Was sind schon 380km zu 542km. 🙂 . Umso näher die Veranstaltung rückte, desto lauter wurden die Stimmen im Kopf, wie wir eigentlich auf die Idee gekommen sind im September noch mal so eine Lange Tour zu bestreiten. Egal. Angemeldet ist angemeldet und wer uns kennt, weiß genau was wir uns gemeinsam vornehmen ziehen wir auch gemeinsam durch.

Am Freitag, 11.09.2015 war es soweit. Stefan, Mario und ich trafen und am Hamburger Hbf um von hier über Flensburg nach Aarhus zu fahren. Noch am Vortag, gab es einen Scheckmoment als wir erfuhren dass die dänische Regierung den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark wegen dem großen Flüchtlingsansturm eingestellt hat. Wir hatten Glück. Die Züge sollten wieder regulär fahren. In Flensburg angekommen bot sich uns ein Bild, was ich persönlich noch nicht kannte. Der Bahnhof war voller Flüchtlinge die in den gleichen Zug wie wir wollten um über Dänemark weiter nach Schweden zu reisen. Wir schoben uns und unsere Rennräder durch die Masse, alleine das war ein sehr komisches Gefühl. Wir mit Rennrädern und Sporttaschen auf dem Weg zu einer Freizeitveranstaltung und die anderen Menschen um uns herum hatten ihr ganzes Hab und Gut in einem durchsichtigen Plastiksack und hätten alles gegeben um mit dem Zug mitzukommen. Polizei regelte den Einlass in die Bahn. Nur Fahrgäste mit einem gültigen Ticket und einer Platzreservierung durften einsteigen. Kurze Zeit später waren wir im Zug. An Sitzen war nicht zu denken. Der Zug war so voll, dass wir stehen mussten.

Gegen Abend trafen wir an unserem Hotel in Aarhus ein. Mario hatte es zuvor organisiert, dass unsere Startunterlagen ins Hotel geschickt wurden. Das hat perfekt geklappt. Kurze Zeit später hatten wir quartierbezogen und sichteten unsere Startunterlagen. Schnell war die Startnummer am Trikot, Fahrrad und Helm befestigt.

Der Blick aus dem Hotelzimmer war schon nett. Meerblick und Blick auf Aarhus.

Nach der langen Bahnfahrt knurrte unser Magen bereits ziemlich laut, also entschieden wir uns in das Hotelrestaurant zu gehen. Als wir dort ankamen, teilte man uns leider mit, dass das Restaurant ausgebucht ist. Kopfschüttelnd machten wir uns auf den Weg in das 3km entfernte Aarhus. Ca. auf der Hälfte der Strecke fand am heutigen Tag eine Triathlon Veranstaltung statt. Wir hatten keine Lust noch weiter zu laufen und entschieden uns dort an einem Grill-Stand unser Abendmal einzunehmen 🙂 Mit einem Würstchen im Brötchen machten wir uns bei leichten Nieselregen wieder auf den Rückweg ins Hotel. Nicht unbedingt das Abendessen was wir uns vor der morgigen 380km Strecke vorgestellt haben. Naja, dann wird sich auf das Frühstück konzentriert 🙂

Samstag, 12.09.2015
Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Ein Blick aus dem Fenster machte uns schnell klar, es ist windig. Sehr Windig. Und Ostwind (Gegenwind) haben wir auch. Na toll. Der Sonnenaufgang motivierte uns aber den Tag so zu nehmen wie er kommt. Wetter können wir nicht ändern.

Das Frühstück war perfekt. Es war alles da was das Sportlerherz erfreute. Anschließend haben wir die Räder für den Start fertig gemacht. Naja, wir? Vielleicht Mario und ich. Stefan war damit schneller fertig und genoss noch ein bisschen die Gemütlichkeit des Hotelbettes und schaute und zu 😉

Gegen kurz vor neun Uhr kamen wir am Start im Ceres Park & Arena an. Die Abgabe unsere Reise,- Trainingstaschen die vom Veranstalter von Aarhus nach Kopenhagen gebracht wurden, verlief unkompliziert und reibungslos. Kurz noch einen dänischen Radsportler angesprochen, da unser traditionelles Startfoto natürlich nicht fehlen durfte.

Anschließend begaben wir uns auf den Weg in die Arena. Hier befand sich der Start.

Die Anspannung stieg bei uns und gefühlt wurde es Zeit, dass es endlich los geht.

Endlich…. Es war 09:16 Uhr und der Stadionsprecher zählte unseren Startcountdown von 10 abwärts. 10.. 5… 2… Game On! Jetzt lagen 380km vor uns.

Nach wenigen Kilometern fuhren wir schon mitten im Wind. Dänische Windstärken genau auf den Helm und das würde sich die nächsten Stunden bestimmt nicht ändern.

Bis Kilometer 240 gab es jede 60 Kilometer eine Verpflegungs,- und Kontrollstelle. Wie immer auf diesen Langstrecken benötigte ich einige Kilometer gutes zureden von Mario, dass es doch sinnvoll ist ruhiger zu fahren auch wenn es teilweise nur mit 20 km/h über den Asphalt rollte.

Wir passierten die erste Verpflegungs,- und Kontrollstelle bei ca. 60km. Das Wetter war typisches Herbstwetter. Mal grau, dann schien wieder die Sonne und teilweise ging es über leicht nasse Straßen. Wir blieben aber trocken. Schnell ein bisschen was gegessen und ein Kaffee getrunken und weiter ging es.

Bei Kilometer 80, fuhren wir gerade über schöne kurvenreiche kleinere Straßen, als Mario`s Hinterrad Luft verlor. Als wir den Schlauch ausgetauscht und das Hinterrad wieder eingebaut hatten, drehte Mario das Rad wieder um und bemerkte sofort, dass auch das Vorderrad Platt war. Er fluchte. Also das ganze noch mal. Nach einer ca. 20 minütigen Zwangspause ging es dann weiter.

Gerade mal 5 Kilometer später, es ging leicht berghoch und ich fuhr natürlich dann auch vorne, hörte ich nur meinen Namen von hinten. Als ich mich umdrehte sah ich nur wie Stefan und Mario an der Leitplanke standen. Ich drehte um und fuhr zu ihnen. Was soll ich sagen. Wieder hatte Mario einen Platten im Vorderrad. 3 Platten auf 5 Kilometer. Wir waren erfahren genug um nicht in Stress zu verfallen. Auch dieser Platten wurde geflickt und es konnte weiter gehen.

Bei Kilometer 180 rief ich von der dritten Verpflegungsstelle Ronald an. Der mit dem Team “D+H and friends” die 200km Strecke bewältigen wollte. Deren Start war um 15:30 Uhr. Es bestand von Anfang an eine minimale Chance, dass wenn es bei uns auf der langen Strecke gut läuft, dass man sich evtl. bei der Verpflegungsstelle 240km trifft. Hier wurde uns aber klar, dass wir es durch den beständigen Gegenwind und den drei Platten von Mario 😉 nicht mehr rechtzeitig schaffen werden. Ich wünschte Ronald einen guten Start und eine gute Veranstaltung.

Kurze Zeit später machten wir uns auf den Weg nach Nyborg. Hier angekommen ging es über die für diese Veranstaltung gesperrte “Große Belt Brücke (Storebælt)” die mit einer Gesamtlänge von 18km Ost und Westdänemark miteinander verbindet. Es dämmerte bereits als wir in der Mitte der Brücke ankommen waren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren hier dem Wind komplett ungeschützt ausgesetzt und machte das vorwärtskommen zu einer anstrengenden Herausforderung.

Nach insgesamt 240km hatten wir mit der Überquerung der Brücke das Tourenhighlight überquert. Tourenhighlight? Naja, unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Von den letzten 140km gibt es nicht mehr so viel zu berichten. Die Dunkelheit war hereingebrochen und bei Kilometer 300 hatten Stefan und ich für einige Kilometer ein echtes Motivationsloch. Auf deutsch… Kein Bock mehr 🙂  Dieses verschwand nach einigen Kilometern der Qual wieder. Was in diesen Kilometern der leere passiert ist kann wohl keiner genau sagen, aber danach branten Stefan und ich irgendwie ein bisschen. Kopf runter und Kette rechts. Es gab nur noch den drang nach vorne. Mario schüttelte nur noch den Kopf und sagte “Wehe ihr sagt irgendwann noch mal ihr könnt nicht mehr…. Da werde ich keine Rücksicht drauf nehmen….” 🙂 Es gibt Sachen und Momente beim Langstreckenfahren, die bleiben unbegreiflich.

Die letzten 80 Kilometer wurden also relativ fix abgespult. Gegen 1:30 Uhr waren wir nach 16 Stunden und 28 Minuten im Ziel. In Kopenhagen. Wir habe es mal wieder geschafft.

Vielen Dank an dich Mario und an dich Stefan. Es war mir wieder eine Ehre mit euch so eine Tour bewältigt zu haben. So etwas “unmögliches” ist einfach nur mit euch möglich.

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One comment

  1. Moin Flo,

    schöner Bericht und auch ich bin immer wieder froh mit Euch unterwegs zu sein. Auch wenn mir Eure Fahrweise auf den letzten 80km ein wenig Kopfzerbrechen bereitet hat, aber man lernt halt nie aus 🙂 Letztendlich haben wir wieder gemeinsam das Ziel erreicht und das ist es was zählt.
    Freue mich schon auf das nächste verrückte, noch nicht betitelte Event und es gibt nur eine Bedingung: Nicht Dänemark.

    Game on! Gruß Mario

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