Alpentour 2016 – Tag 1 – Col d´Ornon (Frankreich)

Nach erholsamer Nacht und einem ordentlichen Frühstück ging es ausgeruht und frohen Mutes daran, sich auf die erste Tour vorzubereiten. Und wieder konnte man Zeuge des alltäglichen und wiederholten Gehühneres werden, wenn sich Hobbysportler in aller Welt auf ein lange geplantes Ereignis vorbereiten. Da wird hin- und hergelaufen, hier nochmal geschraubt, dort nochmal anders gepackt, Armlinge an und wieder aus, die Brille nochmal geputzt, Luft aufgepumpt, Tasche anders verstaut, Pipi gemacht, Karte gelesen, der Navi neu programmiert …. und alle laufen durch ihren ganz eigenen Tunnel.

Nachdem wir es doch noch schafften, unser einziges vollständiges Gruppenfoto während der Tour – mehr schlecht als recht – zu machen, konnte es endlich losgehen. Der Bulli blieb auf dem Hotelparkplatz stehen, und wir machten uns auf in Richtung Süden, nach Vizille, Laffrey und La Mure.

Dachten wir jedenfalls. Wie sich herausstellte, setzten sich die leichten Navigations- Schwierigkeiten der Hinfahrt auch auf dem Rennrad fort, und wir verpassten recht schnell die richtige Abzweigung nach Vizille. Irgendwann umgedreht, ganzen Weg zurück, richtige Richtung eingeschlagen, eine kleine Ehrenrunde in Vizille gedreht, und schon waren wir auf der richtigen Route, der „Route Napoléon“ in Richtung La Mure.

Mittlerweile bestätigte sich, was sich schon am Vortage angedeutet hatte: In Frankreich war es derzeit auch nicht kühler als im hochsommerlichen Deutschland. Dazu gab es reichlich Auto-, Motorad- und Lkw-Verkehr auf der N 85, die zudem noch steil und gerade und scheinbar endlos in die Höhe ging. Meine Michelin-Karte verzeichnete für diesen Streckenabschnitt die Markierung für „Parcours difficile ou dangereux“, was beides zutraf: Hitze und Steigung verlangten alles von uns, der Verkehr machte das Ganze nicht ungefährlich, mehrmals wurden wir bedrohlich dicht überholt. Nach mehreren Kilometern sammelten wir uns schwitzend und fluchend in einer Art Haltebucht, geplagt von Hitze, technischen Schwierigkeiten und den Grenzen unserer körperlichen Verfassenheit. Irgendwann kam auch Schuppy zu uns (Foto), und nicht als letzter!

Wir schafften es aber noch gut bis nach Laffrey, wo die Welt nach mehreren zuckerhaltigen Getränken schon wieder viel besser aussah. Insbesondere, nachdem wir anschließend die N 85 verließen und über ruhigere Nebenstraßen weiter nach La Mure gelangten, wo wir ein leckeres Mittagessen einnahmen („Sven, frag mal, was das für eine Suppe sein soll!“).

Weiter ging es auf die D 526 nach Entraigues, wo der Einstieg in den ersten Pass (Col d´Ornon) erfolgte. Genau das Richtige zum Warmwerden auf unserer diesjährigen Alpentour: Lockere 558 Höhenmeter verteilten sich auf 14,5 Kilometer, wenig Verkehr und eine ausgezeichnete Straße machten Lust und Geschmack auf die nächsten Tage. Den Pass hat sich der unaufhaltsame Michi geholt.

Auf der Abfahrt nach Le Bourg-d’Oisans und zu unserem nächsten Hotel gab es noch so manche prächtige Aussicht zu genießen, aber auch reichlich Stundenkilometer. Mit diebischer Freude habe ich meine Maximal-Geschwindigkeit (nicht mal besonders hoch) per Foto nach Hause geschickt, wohl wissend, dass sich meine Frau Katha ordentlich erschrecken wird.:-)

Von Le Bourg-d‘Oisans aus sind Fritz und Roli die Nordroute zurück zum Ausgangspunkt geradelt, ca. 40 Kilometer durch das Romanche-Tal, um den Bulli zu holen. Wir anderen warfen schon mal einen Blick in Richtung Auffahrt nach Alpe-d’Huez und genossen ein Kaltgetränk im Ort. Eigentlich war diese Auffahrt auch noch für heute geplant, aber angesichts der Startschwierigkeiten wurde sie auf den nächsten Tag verschoben. Gut so. Nach Bezug des Hotels etwas nördlich des Ortes (Roli und ich schliefen nach vorne, zur Straße raus), einigen Reparaturen und Einstellungen an den Rädern sowie dem gemeinsamen Abendbrot ließen wir den Tag bei leckerem Bier vor dem Hotel ausklingen.

Die ersten knapp 100 Kilometer waren geschafft, die ersten 1.628 Höhenmeter gesammelt.

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