Alpentour 2016 – Tag 3 – Col de la Madeleine

Langsam wird es unheimlich: Schon wieder waren wir um 9 Uhr morgens quasi abfahrbereit. Langsam bekamen wir aber auch Routine, vielleicht lag es aber auch am Frühstück im „Ibis Budget“.

Die Auffahrt zum Col de la Madeleine begann quasi noch im Ort La Chambre. Eine herrliche Strecke mit gutem Belag, abwechslungsreich mit Rampen, flachen Teilen, langen Gerade und Serpentinen – und das alles immer noch bei bestem Wetter.

Neu waren die Markierungen durch Kilometer-Steine neben der Straße, denen man neben der aktuellen Höhe auch die noch zu fahrenden Kilometer bis zum Pass sowie die durchschnittliche Steigung des nächsten Kilometers entnehmen konnte. Wie man sieht, gibt es unbeliebte (14 km, 8%) und nicht ganz so unbeliebte (3 km, 8%) Steine. Noch beliebter wäre eine kleinere Prozentzahl gewesen. Am nächsten Aufstieg vielleicht.

Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr ganz genau weiß, wer den Bulli zum Pass gefahren hat (vermutlich Uli), der oben auf uns wartete, und wer sich den Pass als erster geholt hat (vermutlich Fritze).

Roli zumindest hatte es heute nicht ganz so eilig. Schön war ́s auf alle Fälle dort oben, und bezüglich der Pass-Markierungen lassen sich die Franzosen offenbar immer mal was Neues einfallen. Zwar heißt es, dass die angegebenen 2.000 Meter nicht ganz korrekt seien, aber sei ́s drum. Der Aufstieg von gut 1.500 Höhenmetern auf knapp 20 Kilometern lassen solcherlei banale Fragen in den Hintergrund rücken.

Nach längerer Pause mit Zucker-, Eiweiß- und Elektrolytzufuhr (Kola und Erdnüsse) ging es wieder mal halsbrecherisch hinab. Mein Spitzentempo des ersten Tages wurde mehrmals erreicht, als es steil und mit Serpentinen gespickt in Richtung oberes Isère-Tal ging. Je näher Tal und damit auch die N90 rückten, desto flacher und damit ruhiger wurde die Abfahrt, und schließlich suchten wir uns eine Pizzeria für die Mittagspause.

Nach dieser Stärkung erwartete uns das „Drecksstück“ unserer Alpentour, so wusste ich gleich, und so sollte es sich auch in der Nachschau bestätigen. Eben diese erwähnte N90 mussten wir uns nach Moûtiers und weiter nach Bourg-St-Maurice durch das enge Isère-Tal zwängen, fast 30 Kilometer lang, gemeinsam mit reichlich weiterem Verkehr, einer Bahnlinie und natürlich dem Fluss selber. Galerien wechselten mit breiten und weniger breiten Straßenabschnitten, ab und an unterbrochen von Galerien und Tunnels. Besonders die Tunnels hatten es in sich. Gar nicht besonders schwer zu fahren, auch waren die meisten durchaus gut beleuchtet. Aber ein einziger Pkw, der sich langsam von hinten nähert, verursacht eine so dermaßen beängstigende Geräuschkulisse, dass Gedanken an Tsunamis oder andere Naturkatastrophen aufkommen können. Auch eine Art von Herausforderung.

In Bourg-St-Maurice wurden wir jedenfalls voll entschädigt, besonders das Hotel gab sich große Mühe: Die Räder wurden super untergebracht im Einmachkeller, wir genossen die eigenwilligen Hotelbäder, lernten eine neue – ganz wichtige – Vokabel (le panaché – das Alster), in der Altstadt hatte man für uns extra beflaggt, und wir haben super lecker gegessen („Sven, übersetz doch mal eben die Nachtischkarte!“). Wäre Louis de Funes um die Ecke gebogen, ich hätte mich nicht groß gewundert. Schließlich genossen wir auf der Hotelterrasse das obligatorische ZuBettGeh-Reisebier, begleitet vom Lärm des örtlichen Moped-Rowdys.

Heute standen nur gut 85 Kilometer zu Buche, immerhin aber ca. 2.150 Höhenmeter.

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