CX Wochenende bei den Landesmeisterschaften der Nordverbände in Zeven

Nun schon zum 2. Mal wurde das kleine Städtchen Zeven zum Mekka der deutschen Cross-Fans. Am 25.11.2017 fand dort auf einem im Normalfall recht unscheinbarem Festgelände der 5. Lauf zum Telenet UCI Cross-Weltcup statt.

Nachdem im letzten Jahr nahezu optimale Bedingungen herrschten und der Kurs zusätzlich mit einer langen Sandkiste erschwerte wurde, um nicht als reine Autobahn zu gelten, brauchten sich die Veranstalter in diesem Jahr über solche Maßnahmen keine Gedanken zu machen. Das langanhaltende Regenwetter hatte ganze Arbeit geleistet und die Strecke mit scheinbar endlosen Schlammpassagen ausgestattet.

Selbstverständlich war dieses Event auch für uns ein Muss und so standen Stefan und ich, pünktlich gegen 11:00 Uhr auf der durchweichten Festwiese, um die Gelegenheit zu nutzen, uns die Top-Fahrer der Szene aus nächster Nähe anzuschauen.

Schon die U23-Fahrer gaben richtig Gas und schnell war klar, es werden dreckige, sehr dreckige Rennen.

Versuchten einige in der ersten Runde noch den Schlamm fahrend zu durchqueren, schulterten sie doch recht schnell alle ihre Räder und liefen und liefen und liefen. Die Rundenzeiten im Schnitt 2 Minuten langsamer als letztes Jahr waren ein eindeutiger Zeuge für die Qualen, die man auf der Strecke sah. Stürze, Materialprobleme waren an der Tagesordnung und die Betreuer in der Wechselzone hatten alle Hände voll zu tun, um die Räder in kürzester Zeit vom Schlamm zu befreien und wieder einsatzfähig zu machen.

Danach kurze Pause und Training für die Elite. Hier zeigten sich die Cracks noch eingepackt bei der Streckenerkundung, jedoch war auch hier schon das ein oder andere nachdenkliche Gesicht zu sehen


und auch die „Großen“ waren laufend oder schiebend unterwegs.


Hatten die U23-Fahrer schon ihre Sorgen, mussten die Frauen richtig ackern und nur die Top-Ten sahen einigermaßen geschmeidig aus. Die anderen taten einem zwischenzeitlich schon ein wenig leid, bei dem Versuch diesen Hammer schweren Kurs zu bewältigen. Für einige war es dann auch zu viel und sie stiegen entnervt aus. (Es gab auch Männer mit dem gleichen Schicksal 😊)

Dann kam der Aufgalopp der Elite Männer, van der Poel mit einem nigelnagelneuem metallic rot lackiertem Stevens Bike (sah schon cool aus das Teil).

Wie immer hektischer Start, erste Kurve – die ersten beiden Reihen kommen durch, dann werden Räder sortiert. Die Favoriten tasten sich eine Runde lang ab, unser deutscher Vertreter Marcel Meisen rangiert um Platz 15. Zweite Runde, vorn wechseln alle das Rad, nur van der Poel nicht, kurze Zeit später hat er einen Kettenklemmer und verliert wertvolle Zeit und Plätze. Der Tscheche Boros kommt in einer Abfahrt ins Schlingern, fliegt in die Absperrung und hat Glück das er sich nicht auf einem Begrenzungspfahl aufspießt. Er selbst hat das wahrscheinlich gar nicht mitbekommen und sitzt gleich wieder auf dem Rad. Damit ist die Dramatik des Rennens auch schon fast erzählt. Van der Poel startet eine Wahnsinns Aufholjagd und kämpft sich in Runde 5 auf Platz 2 nach vorn. Den enteilten Wout van Aert kann aber selbst er an diesem Tag nicht mehr einholen. Dieser fährt ein nahezu fehlerfreies Rennen und siegt souverän.

Spurlos ist das Rennen aber auch an den Top Fahrern nicht vorbeigegangen. Alle hatten hier und da ihre Problemchen, die es zu bewältigen galt.

Und was ist mit Meisen? Er fuhr ein sehr solides und konzentriertes Rennen, teilte sich seine Kraft gut ein und konnte sich hinten raus noch bis auf Platz 8 vorkämpfen. Ein super Ergebnis – Glückwunsch Marcel!

Mit der Taktik von Meisen (rechts im Bild 😊) wollte ich dann nächsten Tag mein eigenes Rennen bestreiten, hierüber wird Stefan berichten. Bei der Siegerehrung war dem Zweitplatzierten (links auf dem Podest) der Frust deutlich anzusehen.

By the way, er ist weiter Weltcup-Führender und erhielt das Leader-Trikot von Hanka Kupfernagel (Mitorganisatorin dieses Weltcups)

Fazit: Ein toller Renntag auf einem Kurs mit einer komplett anderen Charakteristik als im letzten Jahr. Man konnte erkennen, dass die Veranstalter die Kritikpunkte des Vorjahrs ernst genommen und zu großen Teilen auch abgestellt haben. Daher ganz großes Lob an das Team, dass unter teilweise wirklich schaurigen Wetterbedingungen einen tollen Weltcup auf die Beine gestellt hat. Auch für 2018 hat sich das Zeven-Team für die Ausrichtung beworben und wir hoffen, dass auch dann wieder die Cross-Szene bei uns im Norden zu Gast sein wird.

Nachdem wir am Samstag am Streckenrand schon viele bekannte Gesichter des Stevens-Cup und Anhänger der QPE- Serie gesehen hatten (hier wurde teilweise schon intensiv über die Strecke und das kommende eigene Rennen gefachsimpelt ), waren wir natürlich auch am Sonntag wieder auf dem Gelände der Rennstrecke in Zeven. Denn wie wir schon aus dem Vorjahr wusste, stellt es eine besondere Herausforderung dar, auf der orginal Weltcup Strecke sein eigenes Rennen zu fahren.

Waren wir im letzten Jahr noch mit drei Teilnehmern im Hobyrennen Ü40/50 am Start, so mussten Mario diesmal unser Rennrad-Nord Team ganz alleine vertreten, denn ich bin nach meinem Schlüsselbein- und Rippenbruch zwar wieder auf dem Rennrad und Crosser unterwegs, jedoch noch nicht instande, die beim Crossen erforderliche Beweglichkeit im Körper zu erzeugen (das Titanmaterial im Schlüsselbein macht dies aktuell noch unmöglich). Fisch und Flo hatten andere Termine am Wochenende geplant. So wollte ich Mario begleiten und als Freund und Betreuer, sowie Fotograf fungieren.

Morgens auf dem Gelände angekommen, waren schon einige Kinder-und Jugendrennen gestartet worden, so dass wir uns auf die Streckenerkundung machten. Obwohl es die Meisterschaften sämtlicher Nordverbände ging, zeigte sich an diesem Morgen auf dem Gelände ein recht trostloses Bild: Einige Arbeiter waren eifrig damit beschäftigt die gesamte Infrastruktur des gestrigen Großereignisses abzubauen und außer den diversen Fahrern und Partnern, Familien und Freunden waren wohl kaum Zuschauer an der Strecke zu finden.

Jeder Stevens-Cup schien uns zuschauermäßig besser besucht.

Dieser Eindruck hatten wir erneut, als wir die Startlisten der Rennen betrachteten. Hier zeigte sich ein deutliches Übergewicht der Hamburger und Schleswig-Holsteiner Starter und auch die Leistungsdichte der Konkurrenz bei einem Stevens-Cup erschien uns deutlich stärker.

Im Unterschied zu den gestrigen Rennen, waren nun an insgesamt vier Stellen, besonders schlammige und damit komplett unfahrbare Passsagen entfernt bzw. entschärft worden, so dass die Runde wohl ca. 500 Meter kürzer geworden war. Diese Tatsache wurde allseits begrüßt und Mario entschloss sich sogar gar keine Proberunde zu fahren, da er erstens ausreichend Streckenkenntnisse hatte und es ihm zweitens an einem zweiten Rad zum Wechseln mangelte, denn schon eine Runde auf der Strecke überzog die meist bunten Plastikrennboliden mit einer schönen dicken schlammigen Schicht, die im Zweifel zu erheblichen Funktionsbeeinträchtigungen von Schaltung und Bremsen führen konnte.

So fuhr Mario einige Zeit vor dem Start abseits der Strecke auf der Wiese, um sich aufzuwärmen und ein Gefühl für das Rad und den Untergrund zu bekommen.

Sämtliche Hobbyklassen sollten quasi, nur getrennt durch wenige Minuten, gemeinsam auf die Strecke gehen und das Rennen absolvieren. So erschien die gesamte Masse an Startern erstmal recht groß, denn Frauen, Ü18, Ü40 und Ü50 standen eng bei gedrängt zum Start bereit.

Im Endeffekt stellte dieses große Feld jedoch im Verlauf des Rennens kein Problem dar, denn es entzerrte sich recht schnell und auf der gesamten Strecke gab es ausreichend Überholmöglichkeiten, da die Fahrspur überall recht breit war.

Dann war es endlich soweit: Mario kann recht gut vom Start weg, auf der langen Asphaltgeraden konnte er nicht ganz vorne mithalten und ging als ca. Zehnter in die erste Kurve. Hier kam es seitlich vor ihm schon zu einem ersten harmlosen Sturz, den er nutzen konnte, um einige Plätze gutzumachen.

So fand er sich anschließend auf dem fünften Platz wieder und konnte die schwiereigen Streckenteile in den TOP TEN absolvieren. Trotz der leichten Veränderung der Strecke gab es noch viele sehr tiefe Schlammpassagen, sowohl auf ebenem Grund, als auch am Hügel, so dass die Laufpassagen in jeder der vier Runden einen erheblichen Anteil hatten.

Laufen ist ja nun nicht gerade Marios Stärke, aber dennoch hat er es auf diesem Parcours gut und gleichmäßig geschafft. Auch seine Fahrweise zeigte kaum Schwächen. Nur einmal musste er kurz unfreiwillig vom Rad, als er einen kleinen Fahrfehler einbaute. Der Sturz blieb glimpflich und er konnte sofort wieder aufspringen. Ich versuchte ihn an mehreren Stellen der Strecke anzufeuern und über seine ungefähre Plazierung zu informieren. Nebenbei gelangen mir noch einige Fotos, die ihr hier sehen könnt.

Die Strecke forderte von allen Teilnehmern vollen Einsatz. Viele Stürze und sich durch den Matsch kämpfende Sportler zeichneten bald das Bild des Rennens. Die Trage- und Laufpassagen setzten allen Teilnehmern erheblich zu, Laufen war bald die Ausnahme, Gehen die Regel. Meine Enttäuschung über die Zuschauerrolle hielt sich heute aufgrund der extrem vielen Laufpassagen im Schlamm in engen Grenzen.

Mario kämpfte im Verlauf nicht nur mit der Strecke, sondern auch mit einigen Konkurrenten, die sich gegenseitig immer wieder überholten. In den letzten beiden Runden konnte Mario diese jedoch abschütteln und seine gleichmäßige Fahrweise zeigte Wirkung. Auf der Zielgeraden gab es noch einen schönen Sprint mit einem Ü50 Fahrer (was Mario aber erst nach dem Rennen erfuhr), den er um Haaresbreite für sich entscheiden konnte.

Abschließend kam so ein toller 5. Rang in der Ü40 Klasse heraus, mit dem er selbst sehr zufrieden war.

Nach dem Durchatmen und Versorgen mit warmer Kleidung meinerseits, schauten wir uns noch die Siegerehrungen an.

Nach der fälligen Radwäsche machten wir uns dan auch wieder auf den Heimweg: Eine warme Stube, Kaffee und Kuchen sollten auf uns warten, nach diesem tollen CX Wochenende.

Print Friendly, PDF & Email

Check Also

Stevens Cyclocross Cup 3.Lauf / Deutschland-Cup Cross im Stadtpark Norderstedt

Heute habe ich mich sehr spontan dazu entschieden Mario zum Stevens Cyclocross Cup 3.Lauf / Deutschland-Cup …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.