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Cyclassics 2017

Eine Woche vor unserem geplanten Tschechientrip zum Krusnoton fragte Mario mich, ob ich Lust hätte kurzfristig doch noch an den Cyclassics teilzunehmen, denn bei Helmuts-Fahrrad-Seiten.de (HFS) gäbe es noch freie Startplätze.

Nach kurzem Check des Familienkalenders, gab es eine schnelle und spontane Entscheidung. Jetzt ging es nur noch darum die zu fahrende Strecke festzulegen. Mario schlug eine gemütliche 120 km Runde vor, ich dagegen dachte: Wenn schon-denn schon! Also 180 km!

Mario stimmte zu und so sollte es dann auch sein. Das Team Rennrad Nord in kleiner Besetzung, nämlich nur wir zwei, sollte bei den diesjährigen Cyclassics mit unseren neuen roten Team Trikots Flagge zeigen. An dieser Stelle noch einen großen Dank an HFS für diese Möglichkeit.

Am Donnerstagabend vor dem Rennen holte Mario unsere Startunterlagen mit dem Rad in die Stadt ab und holte sich auf dem Rückweg schon eine kräftige Dusche ab. Wie sich später herausstellen sollte, war das aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns einige Tage später im Rennen erwarten sollte.

Am Renntag trafen wir uns um 6:40 Uhr zur Abfahrt Richtung Hamburg Innenstadt ein Parkplatz war schnell gefunden und wir machten uns startklar, anschließend Beutel abgegeben und vom Ballindamm zum Startblock F der 180 km Runde. Der war schon gut gefüllt und so konnten wir uns kurz vor dem Start nur am Ende des Blockes einreihen, was für uns völlig in Ordnung war, denn wir wollten es ruhig und locker angehen lassen.

Pünktlich ging es los und wie „unser“ Rennen lief fasst Mario im Folgenden so zusammen:

„Wie immer etwas hektisch auf den ersten Kilometern, doch nach 10 km hatte sich das Feld sortiert und wir eine gute Gruppe gefunden. Und dann wurde es, ich will nicht sagen langweilig, aber recht entspannt. Es rollte gut und konstant, ohne potenziell gefährliche Fahrsituationen. So ging es bis an den Deich, wo der Wind das Feld zerriss und in kleinere Grüppchen teilte.

Bei km 100 dann die Aussage von Stefan: „Wenn bei 120 Schluss wäre, könnte ich jetzt noch Gas geben.“ Wir blieben lieber im „Energiesparmodus“, denn wir wusste aus den Vorjahren, dass uns noch eine zähe 60 km Nordschleife erwartet. Hauptbahnhof – Feldertrennung und Schwups bog die breite Masse links ab ins Ziel und wir waren ziemlich allein auf der rechten Spur Richtung Norden. Dank des auffrischenden Gegenwindes sank die Geschwindigkeit deutlich. Wir sammelten ein paar Einzelkämpfer auf und quälten uns gemeinsam mit 6-8 Fahrern Richtung Wedel. Kurz vor Ende der Schnellstraße zog es links am Himmel richtig dunkel auf. Die Hoffnung davon verschont zu bleiben, bestätigte sich leider nicht und so begann es kurz nach verlassen der Schnellstraße sintflutartig zu regnen und der Wind peitschte uns das Wasser direkt ins Gesicht.

Nach 5 Sekunden brauchte man sich über Regenkleidung (die wir eh nicht dabei hatten) keine Gedanken mehr zu machen, denn da waren wir schon durch und das Wasser lief uns unten aus den Schuhen wieder raus. Spaß ist anders! Ich konnte es mir nicht verkneifen, einen Seitenhieb an Stefan zu verteilen und sagte: „Wenn wir nur 120 km gefahren wären (wie von mir favorisiert), wären wir schön trocken ins Ziel gekommen.“ Ich glaube er hat mich ignoriert und wir schwammen weiter Richtung Westen. An den Fluttoren in Wedel stand und lief so viel Wasser auf den Straßen, da wäre ein Tretboot auch eine alternative gewesen. Hier zeigte sich dann die mentale Stärke von Stefan und mir (Ganzjahresfahrer sind die Härtesten!!), während wir unser Tempo halten konnten, hat das Wetter wohl den Willen unserer Mitstreiter gebrochen, innerhalb weniger Meter waren wir allein unterwegs. Kösterberg, Teufelsbrück irgendwie alles weggedrückt und danach im Paarzeitfahrmodus Richtung Zentrum. 10 km vor dem Ziel haben wir wieder einen St. Pauli Fahrer aufgegabelt, der schon den ganzen Tag in verschiedenen Gruppen mit uns unterwegs war, allerdings bei der vorletzten Verpfegung, die wir zum Flasche füllen nutzen, weiterfuhr. Entweder konnte oder wollte er nicht mehr, jedenfalls ließ er uns schön vorn arbeiten. Eins war klar, das roch nach Teamtaktik beim Zielsprint. Ich schleppte uns über die Reeperbahn und spürte meine leicht verkrampfende Oberschenkelmuskulatur, nicht gut.

Also alles wie immer, 2 km vor dem Ziel schickte ich meinen Edelhelfer nach vorn, um mich zu schonen. Stefan brachte uns sicher auf die Mö und dann tauchte, wie vermutet, das St. Pauli Vorderrad neben mir auf. Bei 600 m rief ich Stefan zu – Tempo anziehen, was ihm nur kurzzeitig gelang, ich den Schwung jedoch nutzen konnte, um bei 400 m aus dem Windschaten zu gehen und einen schönen und ungefährdeten Sprint ums „Nichts“ zu fahren.

Total bescheuert, aber es macht halt Spaß! „ Soweit Marios Schilderungen der Strecke.

Hierzu muss ich anmerken, dass ich nach gefühlten 60 km Paarzeitfahren tatsächlich nichts mehr im Köcher hatte und bei dem Versuch einen Sprint vorzubereiten kaum über 40 km/h kam, so dass Marios Spurt wohl etwas länger aus el, als von ihm ursprünglich geplant. Da ich sowieso nicht der Sprinter bin war mir das Treiben der beiden „Lutscher“ am Ende auch egal – ich rollte mehr oder weniger ins Ziel aus. Kurz nach der Zieldurchfahrt trafen wir Drei uns wieder und klatschten uns dann im Dreieck fair ab!

Der nächste Gedanke gehörte eindeutig nur noch einer heißen Dusche, denn nun wurde uns schlagartig deutlich, wie durchnässt und kalt wir eigentlich waren. Ich hatte Mühe meine nassen Sachen auszuziehen, denn ich zitterte am ganzen Leib. Hier erwartete uns die Luxusausführung eines Duschtrucks (gestellt von einem der Hauptsponsoren) und so konnte man sich fühlen wie Peter Sagan nach dem Rennen! Das Wasser war wunderbar heiß und so wurde es eine deutlich längere Genussdusche als nötig. Mit unserer Zeit von 5:08h waren wir unter diesen Bedingungen mehr als zufrieden, zumal wir wohl den extrem anstrengenden Bergmarathon Krusnoton in Tschechien (siehe auch Marios ausführlichen Bericht!) noch in den Beinen hatten!

Warmgeduscht und warm eingepackt gönnten wir uns erst jetzt das obligatorische Zielgetränk: Bleifreies Erdinger Hefeweizen! Ich hätte aber auch einen heißen Tee genommen, den gab es aber nicht.

Abschließend wollten wir uns noch am Ida-Ehre-Platz beim Treffpunkt der HFS -Foris persönlich bedanken und noch etwas quatschen, aber es waren schon alle weg, denn wir waren doch recht spät dran.

Unser Fazit: Trotz des Wetters, ein aus unserer Sicht recht entspanntes Rennen, auch wenn hier und da wieder Verletzte/Gestürzte am Streckenrand zu sehen waren, gefühlt jedoch deutlich weniger als in anderen Jahren. Auf diesem Wege wünschen wir allen gute Besserung!

Sehr positiv fanden wir auch die vielen Zuschauer am gesamten Streckenrand, die mit viel Einfallsreichtum, Witz, Lautstärke und Motivationshilfe die Teilnehmer anfeuerten. Sogar als es wolkenbruchartig regnete und nicht nur wir komplett nass wurden, standen noch viele Menschen am Straßenrand, klatschten, riefen und trotzten den Naturgewalten. Das war wirklich beeindruckend

Bemerkenswert war wieder einmal die sehr gute Organisation und die vielen freundlichen freiwilligen Helfer. Sämtliche auch noch so kleine Seitenstraßen wurden durch Helfer gesichert. Aufgefallen ist uns auch eine zumindest gefühlte deutlich stärkere Präsenz der Polizei, sowie erkennbare Maßnahmen zur Sicherung der Zuschauer und der Strecke. Alles sehr dezent und entspannt gelöst.

So blieb trotz aller schrecklicher Ereignisse der letzten Monate kein komisches oder gar unsicheres Gefühl bei einer derartigen Massenveranstaltung zurück und hoffentlich konnten tausende die Stadtrunde durch unsere wunderbare Hansestadt ebenso genießen wie wir!

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