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Styrkeprøven 2014 “Trondheim- Oslo 542km”

Mittwoch, 25.06.2014 – „Abreise Tag“
Endlich war es soweit! Nach Wochen der Vorbereitung und den letzten Tagen, an denen die innere Anspannung teilweise unerträglich war, sollte es nun endlich losgehen. Vorbei die Zeit wo Du planlos von links nach rechts läufst, zum 10. Mal Deine Tasche kontrollierst und Dich immer wieder fragst „Habe ich auch alles dabei?“, wo Du nachts nicht mehr richtig Schlafen kannst, nochmal zum Friseur gehst und beim Verlassen des Hausen alles dreimal checkst. (Mario: „Hat mich irgendwie an die Tage vor meiner Hochzeit erinnert“) Mario, Stefan, Henning und ich trafen uns um kurz vor 10 Uhr bei Stefan zu Hause. Schnell waren die Gepäckstücke und Räder verladen. Svenja übernahm die Rolle des Chauffeurs und brachte uns zur Fähre. Danke!

Gegen 11.30 Uhr trafen wir pünktlich in Kiel am Norwegen-Kai ein. Hier wartete bereits „Fisch“, der mit dem Zug aus Osnabrück direkt nach Kiel gekommen war. Kurz noch ein Abschiedsfoto von uns geknipst und ab ging es zum Boarding.

Unsere Boardingkarten haben wir schnell erhalten und konnten kurze Zeit später mit Rädern und Gepäck auf die Fähre rollen. Hier stand ein extra Raum zur Verfügung, in dem nur Fahrräder und eine Kühltruhe für frischen FischJ ihren Platz fanden.

Pünktlich um 14 Uhr legte die Fähre in Kiel ab. Vom Sonnendeck aus genossen wir bei Kaiserwetter die Aussicht auf die Kieler Woche und kurze Zeit später verschwanden die deutsche Küste am Horizont und die immer wieder gestellten Fragen: „Kommen wir als Finisher wieder, wird alles klappen, wie wir es uns vorgestellt haben?“. Natürlich wird es das! 🙂

Donnerstag, 26.06.2014 – Ankunft und Aufenthalt in Oslo
Nach einem reichhaltigen, aber doch ziemlich teurem Frühstück an Bord, begaben wir uns wieder auf das Sonnendeck der Fähre, um die Fahrt durch den Oslofjord zu genießen. Es war bewölkt, sehr windig und durchaus frisch. Die norwegische Landschaft war aber so beeindruckend, dass das Wetter uns nicht störte.

Wir hatten den Rest des Tages Aufenthalt in Oslo und es sollte erst am Freitag weiter nach Trondheim gehen. Wir nutzten den Tag, um uns Oslo anzusehen und zu entdecken. Sehenswert ist auf jeden Fall das Königsschloss mit dem dazugehörigen Park. Am Nachmittag ging ein heftiges Gewitter mit Starkregen nieder, welches unsere Stimmung doch etwas dämpfte. So ein Wetter am Tour Tag, dann mal Gute Nacht, aber es waren ja noch zwei Tage Zeit.

Freitag, 27.06.2014 – Zugreise von Oslo – Trondheim
Am Freitag hieß es früh aufstehen, da wir bereits um 06:30 Uhr am Hauptbahnhof in Oslo sein mussten, um die Fahrräder zum Transport nach Trondheim abzugeben. Den Transport und die Zugfahrt von Oslo haben wir bereits im Vorwege beim Veranstalter gebucht, so hatten wir den Kopf für die wichtigen Dinge frei und mussten uns nicht um organisatorische Sachen kümmern.

Pünktlich am Bahnhof angekommen, sahen wir schon einige Rennradfahrer und den LKW, auf den unsere Räder verladen werden sollten.

Die Abgabe und Verladung der Räder wurde von zwei Mitarbeitern des Veranstalters organisiert und verlief unkompliziert und ohne Stress. Jeder bekam einen kleinen Zettel mit einer fortlaufenden Nummer, auf den Nachnamen und Telefonnummer geschrieben wurde. Der eine Teil des Zettels wurde mit Hilfe eines Gummibands am Rad befestigt, der andere galt als Quittung und sollte bei Abholung des Rades in Trondheim vorgezeigt werden. Die Räder wurden auf den LKW gehoben, mit Luftpolsterfolie eingewickelt und gegen verrutschen gesichert, Türen zu – Abfahrt nach Trondheim. Das Leben kann so einfach sein!

Um 08:02 Uhr sollte unser Zug in Oslo abfahren.  Also noch genug Zeit für einen Kaffee und ein kleines Frühstück in der Bahnhofshalle. Um kurz vor 8.00 Uhr füllte sich der Bahnsteig mit weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit dem Zug nach Trondheim fahren wollten. Zwei Wagons waren für uns Radfahrer reserviert, so gab es kein Gedränge um Sitzplätze (Perfekt), lediglich die Quittung der Räder reichte als Bahnticket. Mit einem Lächeln im Gesicht erklärte uns der Herr von der Organisations-Crew, die einzig geltende Regel für die Bahnfahrt: „Es ist ausdrücklich verboten im Zug übers Radfahren zu sprechen.“ 🙂

Kurz nachdem wir Oslo hinter uns ließen, kamen wir in den vollen Genuss der norwegischen Landschaft und konnten bereits große Teile der Strecke in Augenschein nehmen. Der Respekt vor der Strecke aber auch die Vorfreude auf die Tour wuchs. Die abwechslungsreiche Landschaft ist einfach toll. Der Zug fuhr über Hamar, Lillehammer und Dombas nach Trondheim und benötigte ca. 7 Stunden.

Gegen 15 Uhr kamen wir in Trondheim bei sonnigem Wetter an. Das Hotel lag nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und war gut zu Fuß zu erreichen. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, wollten wir noch etwas von der Stadt sehen. Gute Gelegenheit sich nach der langen Zugfahrt, bei einem entspannten Sightseeing die Beine zu vertreten.

Trondheim ist mit ca. 160.000 Einwohnern eine kleine idyllische skandinavische Stadt und sicherlich eine Reise wert. Sehenswert sind der Nidarosdom, sowie die Bauten entlang des Flusses Nidelven.

Nach dem Stadtbummel machten wir uns auf zum Hotel „Rica Nidelven“. Hier erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ihre Startunterlagen. Auch das war wieder total unkompliziert. Kurz die Startnummer genannt und schon hatte jeder von uns einen Briefumschlag mit allen Unterlagen (Helmaufkleber und Einwegtranspondern) in der Hand. Circa 1700 Starter waren für die 542km Strecke von Trondheim nach Oslo registriert, Zeitlimit 36 Stunden.

Nach Erhalt der Startunterlagen konnten wir ab 17 Uhr unsere Räder abholen. Obwohl der ganze LKW voller Rennräder war, ging das Abladen relativ zügig und wir konnten unsere Räder heil und unversehrt in Empfang nehmen.

Anschließend ging es zurück ins Hotel um die Räder fertig zu machen und die richtigen Kleidungsstücke rauszulegen. Da wir kein Begleitfahrzeug hatten, wie viele andere Teams, mussten wir uns so organisieren. Das bedeutete, alles was wir an Radkleidung an hatten bzw. in unseren Trikottaschen unterbringen konnten, musste reichen (Mario: „Kaum noch Platz für Verpflegung“L). Ich hatte zwar einen kleinen Rucksack dabei, der beinhaltete aber lediglich Material und Werkzeug.

Abends trafen wir uns, um gemeinsam Essen zu gehen und noch ein Team Foto mit unseren Aktionstrikots zu machen. Denn auch hier galt, dass wir jeden der zu fahrenden Kilometer (542km) in Geld für unsere Spendenaktion „Rennrad-Nord.de – Bike for SMA umwandeln und somit die Initiative „Eine Therapie für SMA“ unterstützen.

Samstag, 28.06.2014 – Start zur Styrkeprøven 2014
Zum Frühstück war allen die Vorfreude und die Anspannung deutlich anzumerken. Keiner von uns wusste so recht wieviel er jetzt essen sollte. Zu viel ist nicht gut, zu wenig ist auch nicht gut. (Mario: Ohne zusätzliches Brötchen in Alufolien in der Trikottasche gehe ich auf keine Tour, und so war es auch hier.) Die kurzfristige Verschiebung unserer Startzeit von 07:55 Uhr auf 08:55 Uhr sorgte für zusätzliche Nervosität. Zwar hatten wir ein kleines Zeitpolster, aber allzu viel durfte nicht passieren, wenn wir unsere gebuchte Fähre am Sonntagmittag erreichen wollten.

Gegen 8 Uhr fuhren wir mit Sack und Pack Richtung Startbereich, der sich vor der Nidaris Cathedrale in Trondheim befand. Hier konnten wir bei besagtem LKW unser Gepäck für den Rücktransport nach Oslo (Zielbereich) aufgeben. Wie immer total unkompliziert, jedes Gepäckstück erhielt im Vorwege bereits einen Aufkleber mit Namen und Startnummer (Inhalt der Anmeldeunterlagen).

Auf dieser Tour gingen wir als Team „D+H and friends“ an den Start.

Startzeit: 08:55 Uhr. Wir standen im Startblock und drehten uns um. Was ist hier los? Warum sind da nur ca. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer? Bevor wir uns ernsthafte Gedanken über diese Frage machen konnten, wurde der Startcountdown schon runtergezählt 10…9…8…   3…2….1… (natürlich auf Norwegisch). Go – Los ging‘s. Seit der Anmeldung im Oktober 2013 haben wir diesem Moment entgegengefiebert, nun konnten wir unsere Anspannung endlich rausfahren. Dafür waren unsere Familien und Freunde jetzt umso nervöser und verfolgten unsere Tour nahezu lückenlos online.

Nach bereits 18 km machte Stefans Rennrad immer wieder laute Geräusche. Stefan sagte dann „Mein Hinterrad läuft schwergängig. Irgendetwas stimmt nicht“. Bei km 20 mussten wir dann am Seitenstreifen der E6 anhalten um festzustellen, dass das Hinterrad nicht frei drehte. (Mario: Nachdem sich mein Freilauf Ende Mai bei der MSR zerlegt hatte und ich nur finishen konnte, da ich am nächstem Depot ein neues Hinterrad erwerben konnte, schossen mir sofort Gedanken durch den Kopf: Soll nach 45 Min. hier auf der E6 schon alles vorbei sein, nach der Vorbereitung? Nein das durfte nicht sein!) Nach einer ca. 20 minütigen Reparaturpause konnte es zum Glück weiter gehen.

Langsam aber immer stetig Bergauf pedalierten wir in unser 5er Gruppe durch die norwegische Landschaft. Eigentlich hatte der Wetterdienst bis einen Tag vorher noch Wind aus Richtung Norden angesagt. Leider mussten wir feststellen, dass wir ordentlich Wind aus Süden hatten, also schön Gegenwind. Ich dachte nur kurz „Na, das kann ja noch was werden!“.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann es war, aber ich glaube, schon relativ früh bei 80-85 km: Hier wurde die E6 schmaler und schlängelte sich den Berg hinauf. Da die Strecke normal von Autos befahren wurde, und diese teilweise an den Rennradgruppen nicht vorbei kamen, staute es sich immer wieder, sodass es teilweise ziemlich eng wurde. So entstand auch die Situation, in der Stefan mit seinem Rennrad von der Straße abkam und stürzte. Die Gruppe Rennradfahrer bremste. Mario tuschierte dabei mit seinem Vorderrad nur leicht das Schaltwerk seines Vordermannes. Alles schien OK zu sein und auch Stefan war zum Glück nichts Schlimmeres passiert, da es gerade bergauf ging und die Geschwindigkeit relativ ruhig war. Wir konnten also weiterfahren.

Kurze Zeit später bemängelte Mario, dass sein Rad nicht mehr rollte, sobald er einen Tritt ausließ. Ein Blick aufs Vorderrad verriet dann auch den Grund. Bei der Berührung hatte er sich eine „Acht“ geholt. Also Vorderbremse aufgedreht und weiter bis zum nächsten Depot.

Nach 107km kamen wir in Opdals bei der Verpflegung an.

Hier stellte Mario den Grund für die „Acht“ fest. Durch die Berührung hatte sich eine Speiche verbogen. Die daraus resultierende  „Acht“ im Vorderrad schliff an den Bremsklötzen und vermittelte das Gefühl, das Rad läuft nicht richtig.  Hier gab es leider keinen technischen Service (oder wir haben ihn einfach nicht gesehen), sodass wir hoffen mussten, dass es den in Dombas (km199) in dem nächsten Depot gibt. Also Vorderbremse erstmal komplett auf. Auch Stefans Hinterrad mussten wir erneut ausbauen und wieder freigängig machen.

Man könnte auch denken, auf den ersten 100km hatten wir nur technische Probleme. Und ja, dass war auch so. Schnell noch was gegessen, getrunken und wir konnten die Fahrt wieder fortsetzen.

Der nächste Tour-Abschnitt (km107 – km199) zwischen Oppdals und Dombas sollte jetzt durchaus anstrengender werden. Es ging hinauf zum höchsten Punkt der Tour (1066 m.o.h.) auf die Hochebene des Dovrefjell. Dieser Teil der Strecke war nach unserer Meinung das schönste und beeindruckendste Stück der gesamten Tour.

Mit ca. 16-20 km/h ging es entlang des Flusses „Sväne“, der so klares Wasser führte, dass man bis auf den Grund schauen konnte. Gern wären wir  einfach mal reingesprungen, denn bei strahlendem Sonnenschein wurde es zeitweise recht warm. 🙂

Nach ca. 170km kamen wir auf dem höchsten Punkt des Dovrefjell an. Hier wehte zu Anfang ein sehr frischer Wind bei ca. 10 Grad, und es sah nach Regen aus. Gefühlt war es hier eine Fahrt direkt in einen geöffneten Kühlschrank. (Teilnehmer, die diesen Teil am Morgen passierten, sollen 0°C und Schneeregen gehabt haben.) Kurz entschlossen zogen wir unsere Regenschuhe und Regenjacken an, die uns gleichzeitig vor dem Wind schützten. Regen gab es zum Glück nicht. Mit einem doch ziemlich zügigen Tempo ließen wir die Hochebene hinter uns und genossen die lange Abfahrt nach Dombas. (Mario: Mein Genuss hielt sich in Grenzen, mit geöffneter Bremse und dank der „Acht“ wackeligem Vorderrad mit Tempo 60 km/h den Berg runter; es gab schon Situationen, in denen ich mich wohler gefühlt habe. Auf der Hochebene fiel mir noch ein von Zuschauern gefertigtes Schild auf, auf dem stand: „358000 m bis zum Ziel“. Freuen oder weinen? Nachdem wir bereits 180000 m in den Beinen hatten, war das immer noch mehr, als wir je zuvor am Stück gefahren waren.)

Dann endlich Dombas, ein letzter Kreisel und wir waren am Depot. Ein Blick auf Mario’s Zeitplan und wir lagen super in der Zeit, was ich persönlich bis dahin wirklich nicht dachte. Ich hatte ständig das Gefühl, dass wir zu langsam sind. Aber schon während des Anstieges versuchte Mario mich zu beruhigen und sagte immer wieder: „Flo, mach Dir keine Sorgen, es läuft.“, und er hatte recht. Da kann man den „Alten“ doch vertrauen. 🙂

Mario sprach gleich zwei Servicetechniker an, ob sie das Vorderrad zentrieren könnten.  Nach einigen Umdrehungen mit dem Speichenschlüssel und ein paar Minuten später war aus der „Acht“ eine 3,5 geworden, nicht perfekt, aber deutlich besser als vorher. Danke Jungs!

Hier gab es jetzt auch die erste warme Mahlzeit. Auf diese freuten wir uns schon, und wie sagte Fisch bereits bei der letzte Abfahrt: „Ich habe richtig Kohldampf.“ J Eine leckere Suppe mit reichlich Gemüse und Fleisch verwöhnte unsere Gaumen und sättigte. Noch kurz das ein oder andere Stück Apfelsine und weiter ging es. Wir versuchten immer nur kurze Pausen von 10 – 15 Minuten bei den Depots einzulegen, was bis dahin auch super funktionierte.

Wie wir nach der Tour erfuhren, hat Hinrich, ein Teilnehmer, den Fisch im Zug von Osnabrück nach Kiel kennengelernt hat, bei der Anfahrt auf Dombas einen schweren Unfall. Aufgrund einer Unaufmerksamkeit fuhr er auf ein vorausfahrendes Wohnmobil auf. Von dem Aufprall selbst weiß er nichts mehr, konnte die Tour aber leider durch das defekte Rennrad etc. nicht mehr fortsetzen. Ihm selbst ist bis auf starke Prellungen und einer gebrochenen Rippe zum Glück nicht mehr passiert. Dennoch möchte er gern noch einmal teilnehmen, um ebenfalls zu finishen. Ihm wünschen wir natürlich hiermit gute Besserung und drücken die Daumen, dass es nächstes Mal klappt.

Nach den ersten 200 km sollte es jetzt bis nach Lillehammer grundsätzlich bergab gehen. Das war tatsächlich auch so. Zuerst fuhren wir alleine in unserer Fünfer-Gruppe, bis sich irgendwann ca. 20 Fahrer dazugesellten. Diese animierte Henning eindrucksvoll mit „Ihr könnt auch mal vorne fahren und ein bisschen arbeiten“, es funktionierte.

Mittlerweile war es bereits nach 20 Uhr und es wurde windstill. Endlich. Durch die Gruppenfahrt vergingen die nächsten 100 km relativ schnell. Alle paar Kilometer wechselte der vordere Fahrer und reihte sich hinten im Feld wieder ein. So passierten wir die Verpflegungsstellen in Kvam (km 264) und Kvtfjell (km 307) sehr zügig. Der Ort Kvam bzw. das Depot wird uns allen in sehr positiver Erinnerung bleiben. Hier gab es selbstgebackenen Schokoladenkuchen. Top-Esser war, glaube ich, Stefan mit vier Stück KuchenJ. (Mario: Nach 230 km meldeten sich meine seit Wochen immer wieder auftretenden Knieschmerzen. Bis hierhin war ich froh, dass es so problemlos lief, doch nun war ich vor Schmerz zeitweise den Tränen nah. Wieder der Gedanke: Soll es hier vorbei sein? Nein, das durfte nicht sein! Ich schleppte mich mehr oder weniger bis nach Kvam. Meine Jungs befreiten mich auf diesen 30 km von der Führungsarbeit, sodass ich nur hinterher rollen brauchte. Danke Männer!!! Ein wenig Umhergehen, Dehnungsübungen und Schokokuchen 🙂 linderten die Schmerzen, vielleicht hatte sich eine Verspannung dadurch wieder gelöst. Die nächsten 100 km liefen jedenfalls erstmal wieder besser)

In Kvam fragte uns Winfried aus Soltau, ob er sich unserem Team anschließen dürfe. Er war bereits einige Kilometer hinter uns hergefahren, und ihm gefiel unsere harmonische Fahrweise, die uns übrigens auch eine Teilnehmerin aus München bescheinigte. Winfried fuhr auch das erste Mal bei der Styrkeprøven, und klar durfte er bei uns mitfahren. Er ergänzte unser Team sehr gut und leistete wie alle anderen auch seinen Teil an Führungsarbeit.

Irgendwann Sonntag, 29.06.2014
Kurz vor Lillehammer bogen wir in Moelv in Richtung Gjovik (km 411) ab. Auf diesem Teilstück konnten wir den Eiskanal der Winterspiele von 1994 begutachten sowie das Wintersport- Ressort, das damals Unterkunft der Olympia-Teilnehmer war.

So rollte es dann relativ unspektakulär durch die Nacht. Irgendwann fing es dann doch leicht an zu regnen, was aber unproblematisch war. Allgemein hatten wir mit dem Wetter super viel Glück, und nach einer Stunde war es auch nahezu wieder trocken.

Kurze Zeit später musste ich feststellen, dass ich ziemlich müde wurde, diese Phase zog sich dann bis Km 472. Die Beine funktionierten, pedalierten und hatten zum Glück keine Müdigkeitserscheinungen. Wie hieß es immer in den Berichten, die ich im Vorfeld gelesen hatte: Jeder der eine gewisse Grundfitness hat, kann die Strecke schaffen. Die Entscheidung, ob es wirklich klappt, wird letztendlich im Kopf gefällt. Das kann ich nur bestätigen, es ist definitiv so. 🙂

An dem Depot in Biri, an dem wir gegen 1:30 Uhr ankamen gab es das zweite Mal eine warme Mahlzeit. Nudeln mit Hack. Endlich wieder was essenJ! Wir schlangen den Teller Nudeln nur so herunter. Was für den ein oder anderen auch sehr schön war: das Zelt, in dem die Nudeln ausgegeben wurden, war beheizt, barg aber auch die Gefahr länger verweilen zu wollen. Ich setzte mich zum Essen hin. Das war keine gute Idee. Ich kämpfte ja seit einigen Kilometern sowieso schon mit der Müdigkeit. Jetzt sitzen und noch die Wärme ließen meinen Körper weiter runterfahren. Wieder aufgestanden und auf und ab gegangen. Es ging weiter. Die Straßen waren von dem Regen, den wir scheinbar nicht abbekommen haben, teilweise noch sehr nass.

Jetzt folgten die Depots dichter aufeinander. Anfängliche Gedanken, das ein oder andere auszulassen, haben wir verworfen, denn es war gut, immer wieder mal vom Rad zu steigen und wenigstens ein wenig Obst und Getränke aufzunehmen. Von den nächsten zwei Depots bei km 435 und 472 habe ich selbst nicht so viel mitbekommen :-), und auch Henning hatte mit Müdigkeit zu kämpfen, legte bei km 435 kurz den Kopf auf den Tisch und schob 5 Minuten „Power Sleeping“ ein, während wir anderen versuchten, uns die gute Laune zu bewahren.

Ich wollte am liebsten gleich weiterfahren. Immer wieder habe ich mir kaltes Wasser ins Gesicht gekippt und endlich half es. 🙂

Wirklich schön war diese Strecke entlang des Mjøsa-Sees, der mit einer Fläche von 365 km²Norwegens größter See ist. Er hat eine Gesamtlänge von 117 km. Wir sind diese komplette Länge am Ufer entlang gefahren. Toll war es, als es gegen 3 Uhr morgens anfing hell zu werden und anschließend die Sonne aufging. Dieser Anblick der wunderschönen Landschaft war traumhaft und ließ jede Restmüdigkeit verschwinden und zauberte jedem von uns das bekannte „Rennrad- Dauergrinsen“ ins Gesicht. 🙂

Durch unsere etwas ausgedehnten Pausen war unser Zeitpolster auf ein Minimum geschrumpft. Bei 10 Min. Pause hätten wir noch ca. 1:20h für die letzten 30 km, normal kein Problem, aber nach bereits 510 gefahrenen Kilometern…! Stefan griff wieder zum Hinterrad, weil es schlimme Geräusche von sich gab und das ganze Ritzelpaket wieder anfing zu eiern. Kurz das Hinterrad wieder ausgebaut, ein bisschen versucht, was festzuziehen und einzustellen, aber nichts ging mehr. Also Hinterrad wieder rein und mit Stefans Aussage: „Jetzt wird gefahren, bis das Ding auseinander fällt, dann wird der Rest eben geschoben“ ging es auf die letzten 30 Kilometer. Was für ein beflügelndes Gefühl nach 510km nur noch 30 Kilometer fahren zu müssen! Auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite aber auch schade, dass es „schon“ vorbei war.

Diese 30 Kilometer hatten es aber noch mal richtig in sich. Es ging rauf und runter. Eine Rampe folgte der nächsten. Nach 15 Kilometern wurden wir auf die Autobahn geleitet, die nach Oslo führte. Hier war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Spur abgesperrt. An der Auffahrt die letzte Zwischenzeitnahme, aus der Erinnerung 20 km vor dem Ziel und noch 45 Minuten Zeit zur Erreichung unseres persönlichen Zieles, unter 24h zu bleiben. Als ich das Autobahnschild mit der Aufschrift „OSLO 17 km“ las, dachte ich: „Klasse“. Aber die ersten Kilometer davon ging es nochmal mit ca. 6% Steigung rauf, Wahnsinn. Der Tacho zeigt 20, 18, 16…, bei dem Tempo verabschiedeten wir uns kurzzeitig von unserem Ziel. Nach ca. 3 km den letzten Anstieg geschafft, sahen wir die ersten Häuser von Oslo. Jetzt hieß es Kopf runter und Vollgas, es ging leicht bergab und nach ein paar Kilometern taucht zu unserer Verwunderung und früher als erwartet ein Schild „Finish – 5 km“ auf (später stellte sich raus, es waren nur 15 km von der letzten Zeitnahme bis zur offiziellen Zielzeitmessung bei 540 km). Noch 25 Minuten Zeit, jetzt war klar, wir würden rechtzeitig ankommen. Nach 539 Kilometern dann das Schild „Finish – 1km“. Wir klatschten uns ab. Schnell formierten wir uns zu einer Linie und überquerten alle nebeneinander die Ziellinie. Grinsen. Freude. Wir haben es geschafft. Wir haben es tatsächlich gemeinsam geschafft!!!

Wir verließen die Autobahn, nach der nächsten Kurve stand wieder ein Schild „Finish – 1km“ (Zielbogen nach 542 km) . Wir guckten uns ein bisschen irritiert an, fuhren in ein Gewerbegebiet. Ein Streckenposten sprang wagemutig auf die Straße und stoppte einen LKW, um uns freie Fahrt zu ermöglichen, eine Rechts-Kurve, die Hälfte der Straße war mit Zäunen vom übrigen Verkehr getrennt. Zur Belohnung nochmal eine 200 m lange Rampe. Wie sagte Henning „Das darf jetzt nicht wahr sein oder? Noch mal hochfahren. Ich setz mich aus Protest gleich auf die Straße.“ 🙂 🙂 Machte er natürlich nicht, der Anstieg war jetzt auch egal, einmal links, einmal rechts und da stand er, der „Finisherbogen“.

!!!GESCHAFFT!!!!

Wir, Henning, Stefan, Mario, Fisch und ich sind nach 23 Stunden 45 Minuten und 52 Sekunden stolze Finisher des “Den Store Styrkeprøven 2014” – Trondheim-Oslo 542 km und überglücklich, dass die Tour war, wie sie war, mit all ihren schönen, aber auch schwierigen Momenten.

Fazit: Wir sind froh, dass wir alle es heil und gesund überstanden haben, über die Erreichung unseres persönlich gesetzten Zieles (sonst hätten wir das ja noch mal machen müssen 🙂 ), über die super disziplinierte Teamarbeit, ohne die das so nicht möglich gewesen wäre, und dass jeder Einzelne ist, wie er ist und wir als Team so super harmonieren.

Nicht vergessen wollen wir unseren Gastfahrer Winfried, der uns bis ins Ziel begleitete.

Super Leistung, hat Spaß gemacht mit Dir!

Im Zielbereich gab es für alle Teilnehmer Hühnchen mit Kartoffelsalat und eine Cola.

Nachdem Essen holten wir unsere Gepäcktaschen ab. Schnell geduscht und noch mal für 7 Kilometer auf die Rennräder geschwungen, um pünktlich an der Fähre in Richtung Kiel zu sein. Das hat super geklappt. (Mario: Nach 540 km hätte mich die Fahrt mit dem Rennrad und Gepäck quer durch Oslo zur Fähre fast getötet und ich war froh, als ich endlich in der Kabine im Bett liegen konnte.)

In der Kabine wartete noch eine wirkliche Überraschung auf uns.

Unsere Lieben hatten uns einen super Obstteller auf die Kabine schicken lassen (was fast genauso schwierig war wie unsere Tour, wie wir im Nachhinein erfahren haben), den wir uns dann kurzerhand auch schmecken ließen. Vielen Dank an Euch, großes Kino!

Danach erstmal schlafen und am Abend ein, zwei Finisher-Bier und dann wieder schlafen.

Montag, 30.06
Um 10 Uhr legte die Fähre wieder in Kiel an, und wir wurden gebührend empfangen. Damit hat glaube ich, keiner von uns gerechnet. Dafür und für’s abholen, Dank an Martina.

Auf diesem Wege möchten wir auch unseren Familien, Bekannten, Freunden danken, die uns immer wieder ermuntert haben, das Ding zu rocken, die uns unsere Zweifel gerade in den letzten Tagen vor der Tour genommen haben, die unsere Launen und Nervosität ertragen mussten, die uns immer unterstützen und das schon seit Jahren, damit wir solch geile Momente erleben dürfen.

Da wir aber auch wissen, dass es nicht allen Menschen gegeben ist, so etwas erleben zu dürfen, haben wir vor ca. einem halben Jahr unsere Spendenaktion „Rennrad-Nord.de – Bike for SMA 2014“ initiiert, die mit Trondheim-Oslo nun ihr sportliches Highlight hatte.

Mit dieser Tour hat unser Team selbst 270 € für den guten Zweck erradelt. Weitere Spendenunterstützung gab es durch die D+H Mechatronic AG, die für diese Tour auch Namensgeber unseres Teams „D+H and friends“ war. Natürlich geben wir auch den Rest der Radsaison Gas, um das Spendenkonto weiter zu erhöhen.

Unterstütze auch Du!
Mehr Information zur Spendenaktion erhältst du hier: http://www.rennrad-nord.de/bike-for-sma-2014/
Hier geht es direkt zur Spendenaktion: http://www.betterplace.org/de/fundraising-events/bike-for-sma-2014

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4 comments

  1. Matthias Franz ( RV Trave Bad Oldesloe )

    Hallo Florian,

    zunächst möchte ich dir und deinen treuen Weggefährten allerherzlichste Glückwünsche zu diesem grandiosem und überstandenen Sportevent übermitteln.
    Da ich auch persönlich ein großer Fan skandinavischer Landschaften bin, kam beim Lesen deines Berichtes ein wenig Wehmut und Neid auf…
    Dennoch drängt sich als sportbegeisteter Radfahrer die Frage auf, ob ihr ein Luftkissen oder eine konfinuierliche Schmierung im Dammbereich eingepflanzt habt ?
    Die Müritz- Rundfahrt mit 320 KM stellte bestimmt schon eine körperliche Belastung ohne gleichen dar, aber 540 Km, setzt dem Wissen, auch diese Strecke ohne große Blessuren überstanden zu haben, einfach eine Weltmeisterkrone auf ?!
    Nun stellt sich die Frage, was das noch toppen kann ???

    Schöne Grüße aus BO
    Matthias

  2. Winfried Schuhn

    Liebe Radsportfreunde,
    mit vorbildlicher Idee habt Ihr ein erstklassiges Abenteuer erlebt! Das macht Euch so schnell keiner nach!

    Ich hatte das Glück, nach 220km zu Euch zu stoßen. Das war im Vergleich zu manch anderer Gruppe ein Aha-Erlebnis: Keine Hektik, aber Harmonie, Rücksicht… und Zielstrebigkeit.

    Jeder hatte unterwegs seine Probleme. Am meisten haben mich die Wellen Richtung Oslo geschafft, besonders diese elende Autobahn. Ich hatte vorher davon gelesen, aber sooo lang und soo anstrengend wars definitiv nicht beschrieben! Und stur bin ich mit 39/28 da hoch. Nie, nie wieder so!
    Aber wir haben es geschafft, gemeinsam im Ziel! Das Höchste! Danke nochmals an Alle.

    Der Spendenaktion schließe ich mich gerne an. Auch weitere km werde ich noch beisteuern!

    Sportliche Grüße!
    Winfried

  3. Liebes “D+Hand friends” Team,
    mit viel Vergnügen und voller Bewunderung hab’ ich Euren “Fahrtenbericht” von der großen Kraftprobe 2014 gelesen. Dieses Erlebnis wird Euch bestimmt Euer Leben lang begleiten.
    Ich wünsch Euch noch viele genmeinsame Touren!
    Wiebke Hahne

  4. Hallo Florian,
    schöner Erlebnisbericht, und schön, zu lesen, wie mal der eine, mal der andere von Euch ein Problem hatte und dann mit gegenseitiger Hilfe wieder flottgemacht werden konnte. Die Fahrt Kiel-Oslo-Kiel habe ich auch schon mal gemacht: sehr schön. Aber diese Radtour hier wäre wohl einige Nummern zu weit für mich. Ich wünsche deinem Team noch viele gemeinsame Radtouren.
    Kai S.

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